Historie der Schule

Anlässlich der Einweihung des Erweiterungsbaus der Kastanienschule Hoeningen schrieb der Historiker der Gemeinde Rommerskirchen Herr Dr. Josef Schmitz einen Artikel über die Geschichte der Schule:

Aus zwei Jahrhunderten Schule in Hoeningen

Die Bedeutung des Erweiterungsbaus an der Kastanienschule Hoeningen wird ins rechte Licht gerückt, wenn man sich die schulischen Verhältnisse früherer Zeiten in Erinnerung ruft. Es ehrt und freut mich, hier einiges aus der Geschichte von Schule und Unterricht in Hoeningen schreiben zu dürfen, war ich doch zu Zeiten des geschätzten „Fräulein Schüller" selbst vier Jahre Schüler der Schule in Hoeningen, die damals noch „Volksschule" genannt wurde.

Zur Geschichte des Unterrichtens in Hoeningen

In den meisten Orten des Rheinlandes waren es die Kirchen und ihre Pfarrer, die als Erste versuchten, Kinder zu unterrichten und zu bilden: Vikare und Küster bemühten sich bereits seit dem 16. /17. Jahrhundert, neben dem Religionsunterricht Kindern auch Rechnen, Lesen und Schreiben beizubringen.

Die ersten Nachrichten über „Schule" in Hoeningen finden wir in Unterlagen des Kirchenarchivs aus dem Jahre 1777. Der Pfarrer von Hoeningen berichtete über sein Bemühen, den Kindern Unterricht anzubieten. Dies war aber ein schwieriges Unterfangen, da diese wegen der ärmlichen Verhältnisse auf den Feldern helfen mussten und so fast nur im Winter an Unterricht zu denken war. Auch 100 Jahre später klagten die Lehrer noch über das gleiche Problem.

Als unsere Heimat 1815 ein Teil Preußens geworden war, bemühte sich hier auch der Staat um die Einrichtung von Schulen. Der erste Lehrer im „öffentlichen Dienst" trat 1814 seinen Dienst in Hoeningen an. Besoldet wurde er von dem „Schulgeld", das die Eltern der Kinder zu zahlen hatten, die auch die Schule besuchten. Da die Teilnahme am Unterricht zunächst aber noch freiwillig war, kamen u. a. wegen des Schulgeldes nur wenige Kinder. Erst 1825 führte der preußische Staat bei uns die allgemeine Schulpflicht ein.

Als 1836 der einzige Lehrer 240 Kinder zu unterrichten hatte, verlangte die Regierung in Düsseldorf, einen zweiten Lehrer einzustellen. Der Gemeinderat weigerte sich und begründete dies auch im Ratsprotokoll: ... weil durchschnittlich nur 130 Kinder von den 240 in der Schule wären; die anderen würden fehlen, weil sie krank seien, ihnen Kleidung und Schuhwerk fehlten oder die Eltern die geforderten drei Silbergroschen Schulgeld nicht zahlen konnten bzw. wollten. Erst nach massivem Druck durch die Bezirksregierung wurde 1839 eine zweite Lehrkraft eingestellt.

Nach den preußischen Vorschriften durfte um 1865 ein Lehrer 100 Kinder unterrichten „und größer darf die Zahl in der Regel nicht sein", hieß es damals in den Erlassen. In Hoeningen besuchten 1866 aber 112 Kinder die Unterklasse und 116 die Oberklasse. Deshalb forderte der Landrat die Gemeinde auf, eine dritte Klasse einzurichten. 1869 stellte der Rat dann auch einen dritten Lehrer ein; doch die drei Klassen waren immer noch sehr groß: 74 Mädchen und Jungen in der Unterklasse, 72 Mädchen in der „Mädchenoberklasse" und 73 Jungen in der „Knabenoberklasse".

Seit 1901 hatte die Schule zwar vier Klassenräume, doch eine vierte Lehrperson gab es vorläufig nicht. Der Gemeinderat lehnte 1906 die Anstellung der erforderlichen vierten Lehrkraft ab und widersetzte sich auch 1913 noch der Forderung des Landrates. Eine vierte Lehrkraft erhielt die Schule erst nach 1950.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrten alte, ungewohnte Zustände ein: Raumnot, Heizmaterialmangel und fehlende Lehrpersonen erzwangen vorübergehend wieder Größen von 98 Kindern in der Oberklasse und 121 in der Unterklasse; 1947 mussten sogar alle Kinder nacheinander im gleichen Klassenraum unterrichtet werden, da das verfügbare Heizmaterial nur für einen Raum reichte. Mit der Währungsreform 1948 normalisierten sich die Verhältnisse wieder.

Nach oben

Vom ersten „Schulhaus" zum heutigen Gebäude

Das „erste Schulhaus" in Hoeningen war die ehemalige Vikarie, die um 1800 als Wohnhaus für den Küster genutzt wurde. Sie stand auf dem heutigen Schulgrundstück dort, wo sich nun neben dem Pfarrhaus ein Parkplatz befindet; Haus und Grundstück waren Eigentum der Pfarre Hoeningen.

1814 stürzte das altersschwache Fachwerkhaus ein, und die unter Napoleon gebildete Bürgermeisterei Evinghoven trat 1815 erstmals als Bauherr der Schule in Hoeningen auf. Die Finanzierung des Fachwerkhauses sollte jedoch durch die Einwohner von Villau, Ramrath, Hoeningen und Widdeshoven getragen werden: die Hälfte der Kosten wurde nach der Anzahl der Wohnhäuser aufgeteilt, die andere Hälfte nach der Einwohnerzahl. Da damals alle Familien in einem - oft recht kleinen - eigenen Haus lebten, musste jede Familie einen Anteil für das Haus und einen Anteil für jedes Familienmitglied zahlen. Die Art der Finanzierung erwies sich als illusorisch, musste doch jede Familie etwa ein Monatseinkommen für den Schulbau zahlen. Bei den damals ärmlichen Verhältnissen war dies nicht zu realisieren, und so mussten später die Schulden mit öffentlichen Mitteln getilgt werden.

In dem 1817 fertiggestellten Fachwerkhaus befanden sich eine Wohnung für den Küster und ein Schulraum. 1826 wurden offiziell in diesem ca. 6 m x 5,10 m großen Raum 175 schulpflichtige Kinder unterrichtet, 1834 waren es sogar 220. In Wirklichkeit war dies nur möglich, weil viele Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schickten, wie oben bereits ausgeführt.
Als 1835 über einen zweiten Raum als Anbau nachgedacht wurde, wehrten sich die Einwohner von Ramrath dagegen und verlangten wegen des weiten Schulweges eine eigene Schule. Der Antrag wurde vom Gemeinderat zwar abgelehnt und der Anbau eines Klassenraumes an das alte Schulhaus beschlossen, doch der Streit um den Standort von Schulgebäuden setzte sich bis 1900 fort.

Dieser 1836 fertiggestellte Bau war 1862 wieder zu klein, und der Gemeinderat plante eine dritte Klasse. Bis 1866 wurde gestritten und diskutiert, aber nicht gebaut. Als dann die Unterklasse 112 und die Oberklasse 116 Kinder besuchten, verlangte die Bezirksregierung eine Erweiterung der Schule und 1869 waren eine Lehrerwohnung und die dritte Klasse fertiggestellt.

Obwohl das alte Küster- und Schulhaus 1874 baufällig war, wurden dort immer noch zwei Klassen unterrichtet. Der Neubau aus dem Jahre 1869 musste deshalb 1876 durch einen Anbau mit allerdings nur einem Klassenraum und einer Oberlehrerwohnung im ersten Stock erweitert werden. Gleichzeitig kaufte die Gemeinde das Schulgrundstück, das sie bis dahin von der Pfarre Hoeningen gepachtet hatte.

1899 drohte das alte Küsterhaus endgültig einzustürzen, und die dort immer noch unterrichtete Klasse musste dringend anderswo untergebracht werden. Dies war für die Einwohner von Ramrath wieder Anlass, eine eigene Schule zu verlangen. Als der Gemeinderat nach langen und hitzigen Diskussionen bereit war, in Ramrath eine Schule zu bauen, verlangte Widdeshoven das gleiche Recht für sich; daraufhin wurde entschieden, beim zentralen Schulbau in Hoeningen zu bleiben und zwei neue Klassenräume zu bauen.

1901 war der Bau mit zwei übereinander liegenden Klassenräumen fertiggestellt; hierbei handelt es sich um den ältesten Bauteil der heutigen Grundschule. Das alte Küstereihaus wurde 1916 abgerissen.
Als 1928 der Streit um eine Schule in Ramrath wieder aufflackerte, beschloss der Gemeinderat nach vielen Querelen und heftigen Diskussionen, sowohl in Ramrath als auch in Widdeshoven eine Schule zu bauen und dafür die Nutzung der Gebäude in Hoeningen aufzugeben. Diesmal scheiterte die Realisierung an den Finanzen: Die sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise erlaubte Investitionen in dieser Größenordnung nicht.

1939 plante man, die Schule um zwei Klassenräume zu erweitern; die Ausführung verhinderte der Beginn des Zweiten Weltkrieges. Ersatzweise behalf man sich mit einer 1935 aufgestellten Baracke, in der ein Kindergarten und das Jugendheim untergebracht waren. Dort hat man zusätzlich einen Raum für die Oberklasse eingerichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg forderten Ratsvertreter wieder, eine eigene Schule in Ramrath zu bauen, doch der Gemeinderat lehnte dies mehrheitlich erneut ab.

1957 wurden zwei neue Klassenzimmer mit Nebenräumen, eine Pausenhalle und eine neue Toilettenanlage gebaut und bald danach durch Pavillonbauten ergänzt, sodass die Schulgebäude der Jahre 1869 und 1876 abgerissen werden konnten.

Nach der Reform des Bildungswesens in Nordrhein-Westfalen blieben seit 1968 in Hoeningen nur noch die Schuljahre 1 bis 4, ab Klasse 5 besuchen die Kinder seither eine der weiterführenden Schulen in benachbarten Städten und Gemeinden.

Durch rege Bautätigkeiten in den Dörfern des Schulbezirks der Grundschule Hoeningen war in den letzten Jahren eine erneute Erweiterung der Schule unumgänglich geworden, die nunmehr eingeweiht wird. Allen am Schulleben Beteiligten sei eine möglichst lange, störungsfreie Nutzung der Räumlichkeiten gegönnt.

Hier können noch viele fleißige und fröhlich lachende Kinder auf ihrem Weg in eine hoffentlich friedliche und gesicherte Zukunft begleitet werden!

Nach oben